Ich möchte Sie auf zwei Persönlichkeiten aufmerksam machen, die im
Programm vorkommen und die durch ihren reichlich bunten Lebenslauf die
Situation heute – sozusagen im Widerspruch – deutlich machen: Marianne
Faithfull und Alfred Peschek.
Heute leben wir in einem neuen Biedermeier. Wir leben im Frieden,
wobei das angesichts der Situation rund um uns in der Welt ein
reichlich relativer Begriff ist. Es geht den Österreichern gut. Und
wenn es einmal schlecht geht, passiert es meist bei den anderen. Wir
leben gesund, zumindest wenn wir die Zeitungen aufschlagen, die uns
bereitwilligst mit neuesten Erkenntnissen über Transfette, Cholesterin
und den Zusammenhang zwischen Essen (möglichst gut, aber gesund) und
Bewegung (möglichst wenig aber effizient) versorgen. Wir rauchen, wenn
wir rauchen nur heimlich, damit wir nicht denunziert werden.Der
Blockwart des Geistes geht durchaus um. Die Politik kuschelt um die
Macht, ob in Österreich oder auf der Ebene der EU ist gleichgültig usw.
usw.
Und die Wirtschaftskrise? Wie alles scheint sie Österreich nicht so wirklich zu treffen, will man
uns zumindest weismachen. Wie überhaupt vieles in Österreich nicht immer so wirklich zu
sein scheint. Es ist eine Scheinwelt des wohligen Selbstwertgefühls.
Marianne Faithfull, die die Saison am 5.6. beenden wird, umweht,
zumindest bei den Älteren unter uns, der Hauch des Skandals, des
gesellschaftlichen Protestes durch Musik der Jahre 65 bis Ende 70. Die
Musikwelt damals war entweder im Banne von Karajan oder aber handelte
nach dem Motto: „doing strange things in the name of art oder letting
it all hang out“. Eine wilde Zeit, bei der aber alle heutig Heiligen
der Branche vertreten waren: The Beatles, Rolling Stones, Nancy
Sinatra, Andy Warhol, Jane Birkin, Jimi Hendrix, um nur einige zu
nennen. Faithfull ist heute eine wunderbare Filmschauspielerin und
Sängerin und interpretiert mit dem Bruckner Orchester unter Dennis
Russell Davies von Kurt Weill „die sieben Todsünden“. Es ist ein
Sonderkonzertdes Brucknerhauses aus Anlass von Linz09 im freien Verkauf
– Achtung Karten rechtzeitig lösen!
Ähnlich ist der Lebenslauf Alfred Pescheks. Er feiert im
Brucknerhaus am 27.5. seinen 80. Geburtstag. Ich freue mich schon
darauf. Er war Schlagerkomponist, ist auch Buchhalter, Lehrer, war
Sportler und ist immer ein Revoluzzer gegen das Establishment der Musik
gewesen. Er ist streitbar bis zur Verletzlichkeit, aber immer ein
Freund. Er hat das bürgerliche Musikverständnis oft auf eine harte
Probe gestellt und freut sich darüber, wenn es Proteste hagelt.
"Dimensionen zwischen
Pop und Klassik" oder seine Zusammenarbeit mit Eela Craig, wenigstens
hinter der Bühne, und vieles andere trägt seine Handschrift. Er ist
eine Institution der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich. Das
Hinterfragen und die Neugieerde gilt für beide.
Ich wünsche Ihnen mit dem gesamten Progammangebot viel Vergnügen.