06.04.09 - Faithfull und Peschek

Vorwort Mai Juni

Ich möchte Sie auf zwei Persönlichkeiten aufmerksam machen, die im Programm vorkommen und die durch ihren reichlich bunten Lebenslauf die Situation heute – sozusagen im Widerspruch – deutlich machen: Marianne Faithfull und Alfred Peschek.

Heute leben wir in einem neuen Biedermeier. Wir leben im Frieden, wobei das angesichts der Situation rund um uns in der Welt ein reichlich relativer Begriff ist. Es geht den Österreichern gut. Und wenn es einmal schlecht geht, passiert es meist bei den anderen. Wir leben gesund, zumindest wenn wir die Zeitungen aufschlagen, die uns bereitwilligst mit neuesten Erkenntnissen über Transfette, Cholesterin und den Zusammenhang zwischen Essen (möglichst gut, aber gesund) und Bewegung (möglichst wenig aber effizient) versorgen. Wir rauchen, wenn wir rauchen nur heimlich, damit wir nicht denunziert werden.Der Blockwart des Geistes geht durchaus um. Die Politik kuschelt um die Macht, ob in Österreich oder auf der Ebene der EU ist gleichgültig usw. usw.

Und die Wirtschaftskrise? Wie alles scheint sie Österreich nicht so wirklich zu treffen, will man
uns zumindest weismachen. Wie überhaupt vieles in Österreich nicht immer so wirklich zu
sein scheint. Es ist eine Scheinwelt des wohligen Selbstwertgefühls.

Marianne Faithfull, die die Saison am 5.6. beenden wird, umweht, zumindest bei den Älteren unter uns, der Hauch des Skandals, des gesellschaftlichen Protestes durch Musik der Jahre 65 bis Ende 70. Die Musikwelt damals war entweder im Banne von Karajan oder aber handelte nach dem Motto: „doing strange things in the name of art oder letting it all hang out“. Eine wilde Zeit, bei der aber alle heutig Heiligen der Branche vertreten waren: The Beatles, Rolling Stones, Nancy Sinatra, Andy Warhol, Jane Birkin, Jimi Hendrix, um nur einige zu nennen. Faithfull ist heute eine wunderbare Filmschauspielerin und Sängerin und interpretiert mit dem Bruckner Orchester unter Dennis Russell Davies von Kurt Weill „die sieben Todsünden“. Es ist ein Sonderkonzertdes Brucknerhauses aus Anlass von Linz09 im freien Verkauf – Achtung Karten rechtzeitig lösen!

Ähnlich ist der Lebenslauf Alfred Pescheks. Er feiert im Brucknerhaus am 27.5. seinen 80. Geburtstag. Ich freue mich schon darauf. Er war Schlagerkomponist, ist auch Buchhalter, Lehrer, war Sportler und ist immer ein Revoluzzer gegen das Establishment der Musik gewesen. Er ist streitbar bis zur Verletzlichkeit, aber immer ein Freund. Er hat das bürgerliche Musikverständnis oft auf eine harte Probe gestellt und freut sich darüber, wenn es Proteste hagelt. "Dimensionen zwischen  Pop und Klassik" oder seine Zusammenarbeit mit Eela Craig, wenigstens hinter der Bühne, und vieles andere trägt seine Handschrift. Er ist eine Institution der Stadt Linz und des Landes Oberösterreich. Das Hinterfragen und die Neugieerde gilt für beide.

Ich wünsche Ihnen mit dem gesamten Progammangebot viel Vergnügen.